IGNAZ CASSAR

Angesichts Lacans (Selbstporträt mit Jacques Lacan)

Titel: Angesichts Lacans (Selbstporträt mit Jacques Lacan)
Datum:
2007
Material:
Fotografisches Tableau aus 54 einzelnen Silbergelatineblättern zusammengesetzt (Unikat)
Dimensionen:
183,5 cm x 216,8 cm
> Ansichten: Angesichts Lacans (Selbstporträt mit Jacques Lacan), Blatt: 8, 24, 28, 31, 47
Angesichts Lacans ist eine fotografische Meditation über das Leben und Werk des bekannten französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan. Die fotografische Arbeit wurde mit Hilfe einer Camera obscura hergestellt, die gegenüber Lacans Praxis in der rue de Lille no. 5 in Paris VII aufgebaut wurde und wo derselbe von 1941 bis zu seinem Tode vierzig Jahre später praktizierte.

In Angesichts Lacans stellt der Fotograf ein Bild von Lacans Praxis als auch gleichzeitig ein Selbstporträt her. Er erlangt dieses Selbstporträt »mit Lacan« indem er sich in die Camera obscura hineinstellt, und zwar während er die Aufnahme der rue de Lille macht. Auf diese Weise positioniert er sich zwischen der Bildebene und der Lichtöffnung, so dass der Fotograf seinen eigenen Schatten im Inneren der Camera obscura wirft. Der Schatten seiner Figur fällt auf das Fotopapier und lässt dabei seine Form als einen Ausschnitt aus dem Bild von Lacans Praxis erscheinen. Da jedoch das resultierende Tableau ein negatives Bild ist, wird der »Schatten« in weiß wiedergegeben.

Angesichts Lacans verweist auf mehrere konzeptuelle Bereiche: der eigentliche Raum der Kamera (der »schwarze Kasten«), der notwendig ist, um das fotografische Bild zu produzieren; der symbolische Raum Lacans psychoanalytischer Praxis, der dem Selbstporträt den »Hintergrund« verschafft; der psychische Raum des imaginären Schirms auf den das porträtierte Selbst sein Bild projizieren muss; der phänomenologische Raum der entwickelten Silbergelatinefotografie; der physische Raum der Begegnung mit dem ausgestellten Bild, das entweder aufrecht oder verkehrt herum installiert werden kann, und dadurch auch auf den fotografischen Prozess der Inversion zurückverweist, durch welchen das Bild kreiert wurde.

Das Spiel mit Inversion, Selbst und Schatten als auch mit Präsenz und Absenz in Angesichts Lacans bezieht sich auf intellektuelle Interessen innerhalb Lacans eigenem Werk. Lacans Modell infantiler Entwicklung, welches das Konzept des Spiegelstadiums einführte, fällt einem dabei beispielsweise ein. Jacques Lacans geistiges Schaffen hatte weitreichenden und noch immer anhaltenden Einfluss. Seine Person und sein Zugang zur Psychoanalyse sind legendär geworden. Während Lacans Werk bedeutsame Spuren in der Psychoanalyse hinterließ, so haben seine Konzepte der méconnaissance, des Spiegelstadiums, des Schirms und des Blickes auch Einfluss auf die Auseinandersetzung mit dem fotografischen Bild und seinem Betrachter genommen.

In diesem fotografischen Projekt blickt der Fotograf Lacans Legenden und dem mythischen Erbe seiner berühmten psychoanalytischen Praxis rue de Lille no. 5 »ins Angesicht«.